Röntgenbeugung
Die Röntgenbeugung ist eine elementare Methode zur Strukturbestimmung von Festkörpern. In dem Praktikumsversuch führen Sie Messungen durch an einer Gold-Aufdampfschicht und einem Zinkblech. Sie ermitteln Gittertypen, bestimmen Gitterparameter, Vorzugsrichtungen der Kristallit-Orientierung in den Proben, lernen Netzebenen-Indizierungen, bestimmen die mittlere Korngröße und berechnen für Gold das reziproke Gitter.A. Grundlagen
, (1)
sowie
, wobei d ik = 1 für i = k und d
ik = 0 für i ¹ k .
Die reziproken Vektoren b1, b2, b3 stehen senkrecht auf a2 und a3, a3 und a1, a1 und a2. Ihre Beträge sind proportional zu 1/a1, 1/a2, 1/a3. Es gilt
a × b = (n1 a1 + n2 a2 + n3 a3) × (m1 b1 + m2 b2 + m3 b3 ) = 2p (n1 m1 + n2 m2 + n3 m3) = 2p × ganze Zahl
Eine mit Gitterpunkten besetzte Ebene im Kristall bezeichnet
man als Netzebene. Sie kann durch die Achsenabschnitte ausgedrückt werden, die
die Ebene schneiden. Ihre Kennzeichnung erfolgt üblicherweise durch die Millerschen
Indizes (hkl). Diese erhält man, indem man die Reziprokwerte der Achsenabschnitte n1, n2, n3 so mit einer
Zahl multipliziert, dass sie ganzzahlig, aber minimal werden. Die Vektoren des
reziproken Gitters stehen senkrecht auf den Netzebenen des normalen Gitters.
Bei hexagonalen Gittern wird häufig eine zusätzliche Kristallachse eingeführt.
In der Grundfläche hat man dann drei gleich lange Achsen, die jeweils um 120°
zueinander versetzt sind (Fig. 1). Die 4. Achse (c-Achse) steht hierauf senkrecht.
Die hierfür gültigen Millerschen Indizes lauten (hkil), wobei gilt h
+ k = -i. Der Index l charakterisiert den c-Achsen-Abschnitt.a) Bragg-Gleichung
Die Winkelpositionen der Röntgenbeugungslinien lassen sich aus der Interferenz der an zwei aufeinander folgenden Netzebenen reflektierten Röntgenstrahlung berechnen. Wie aus Fig. 2 zu erkennen, tritt maximale Intensität auf, wenn für den Gangunterschied gilt2 dhkl sin Q = j l (j = 1, 2, 3 ...), (2)
wobei dhkl der Netzebenabstand ist, l die Wellenlänge und Q der Einfallswinkel der Röntgenstrahlung auf die Netzebene (nicht auf die Kristalloberfläche!).

Fig. 2
b) Laue-Gleichungen
Im klassischen Bild werden die Hüllenelektronen der Gitteratome durch die einfallende elektromagnetische Welle der Röntgenstrahlung zu erzwungenen Schwingungen angeregt. Hierdurch wird jedes Gitteratom zum Ausgangspunkt einer Kugelwelle von der Frequenz der einfallenden Welle. Die Sekundärwellen interferieren miteinander. Intensitätsmaxima am Beobachtungsort treten auf, wenn die Gangunterschiede der Streuwellen ganzzahlige Vielfache der Wellenlänge ergeben. Bezeichnet man wie in Fig. 2 den Wellenvektor der an einem Gitterpunkt einfallenden Strahlung mit k0 und den betragsgleichen Wellenvektor der auslaufenden Welle mit k, so lässt sich ein Streuvektor Dk = k – k0 definieren. Beugungsmaxima treten auf, wenn gleichzeitig die 3 Laue-Gleichungen
a1×Dk = 2p h a2 ×Dk = 2p k a3 ×Dk = 2p l (3)
erfüllt sind für ganzzahlige Werte von h, k, l. Dies trifft zu, wenn Dk einem Translationsvektor im reziproken Gitter entspricht, wenn also gilt Dk = b. Eine sehr anschauliche Darstellung dieses Sachverhalts erhält man aus der Konstruktion der Ewald-Kugel.
. (4)
Hieraus errechnet sich der Abstand zwischen den Netzebenen (hkl) als Funktion der Gitterparameter (Längen a1, a2, a3 und Winkel a, b, g zwischen den primitiven Gittervektoren ai) und vorgegebenen Miller-Indizes. Im Quadrat des Kehrwerts von Gl. (4)
.
Für kubische Gitter (a1 = a2 = a3 = a, a = b = g = 90°) wird hieraus
(5)
. (6)
Wir betrachten wir die zeitunabhängige Komponente einer ebenen elektromagnetischen Welle (Fig. 3), die ausgehend vom Bezugspunkt O mit dem Wellenvektor k0 durch einen Kristall läuft. Sie hat im Punkt P beim Auftreffen auf ein punktförmiges Streuzentrum im Abstand s vom Ursprung die elektrische Feldamplitude

AP=A’exp(ik0×s), (7)
wobei A’ die Anfangsamplitude bei O ist. Wenn O mit einem Gitterpunkt übereinstimmt, gilt für den Abstand
s =a+q=n1a1+n2a2+n3a3+qj (8)
mit qj = uj a1 + vj a2 + wj a3.
a ist ein Translationsvektor des Gitters. Der Basisvektor qj gibt die Position des jten Atoms in der Elementarzelle an. Im Punkt P wird der Anteil f der auftreffenden Amplitude gestreut. Die gestreute Kugelwelle breitet sich mit dem Wellenvektor k aus. Ihre Amplitude AB am Be-obachtungspunkt B, im Abstand r ist
AB = f (AP/r )exp(ik×r) mit |kl = lk0l = 2p/l. (9)
Da der Beobachtungsabstand wesentlich größer ist als
die Probenausdehnung, gilt r »
s. Da
r =
r - s, kann r durch r ersetzt werden. Mit (7)
wird dann aus Gl. (9)
AB = f (A’/r ) exp(i k0 ×s) exp[i k ×(r -s)] = f( A’/r ) exp(i k ×r) exp[i (k -k0) ×s]
Mit k
– k0 lässt sich dies umschreiben zu AB
= (f A0 )exp(i Dk ×s), wobei A0 = (A’/r )exp(i
k ×r). Betrachtet man statt der Streuung an einem einzigen Gitterpunkt die Streuung
des Gesamtkristalls, so liefert die Summation über alle Atome
(10)
Der zweite Summenterm in Gl. (10) wird maximal, wenn die Laue-Gleichungen erfüllt sind, bzw. wenn Dk einem reziproken Gittervektor entspricht. Den ersten Summenterm bezeichnet man als Strukturfaktor S. Auch hier kann Dk durch einen reziproken Gittervektor h b1 + k b2 + l b3 dargestellt werden und man erhält
. (11)
Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass die Atome des Kristallgitters temperaturabhängig Schwingungen ausführen, was zu einer Schwächung der Röntgenreflexe führt. Diesen Effekt erfasst der Debye-Waller-Faktor. Bei Gittern mit einer Basis können Kombinationen von Indizes h, k, l auftreten, für die Shkl null wird.Der atomare Streufaktor fj in Gl. (11) wird auch Formfaktor genannt. Er ist gleich dem Verhältnis aus der Amplitude einer an der tatsächlichen Elektronenverteilung eines Atoms gestreuten Welle und der Amplitude einer an einem freien Elektron gestreuten Welle. Bei Röntgenstrahlung hängt wegen der Trägheit der Atomkerne das Streuvermögen nur von den Elektronen der Atomhülle ab. Diese können Interferenzen innerhalb des Atoms verursachen. Durch
wird über c(R) die Elektronen-Konzentration
im Abstand R vom Atomzentrum erfasst. fj nimmt mit
zunehmendem Beugungswinkel Q ab. Für Q = 0° oder wenn R = 0 für alle Elektronen gelten würde, wäre fj
exakt gleich der Ordnungszahl des betreffenden Atoms.
Indizierung gemessener Reflexe bei kubischen GitternErsetzen von dhkl in Gl. (2) durch Gl. (5) ergibt
.
Demnach bleibt der Quotient
konstant, wenn
man aus den Beugungslinien einer Messung
bestimmt und
durch
der zugehörigen
Millerschen Indizes (hkl) dividiert. Die passenden Indizes findet man,
indem man für n Linien des gemessenen Spektrums (n ³ 3) die Werte von
in n Spalten
nebeneinander schreibt und in den folgenden Zeilen durch ganze Zahlen 2, 3,
... dividiert. Bei kubischem Gitter müssen schließlich gleiche Werte in allen n Spalten auftreten. Die ganzen Zahlen der Division der entsprechenden
Zeilen geben
an. Aus ihnen
lassen sich leicht die zugehörigen (hkl) ermitteln. Tab. 2 veranschaulicht
dieses Verfahren anhand der in Tab. 1 gezeigten Winkellagen und Millerschen
Indizes der ersten 3 Reflexe des kubischen Gitters von FeS2 (n = 3). Werte-Übereinstimmung tritt zwischen den Zeilen 3, 4 und 5 auf. Hierfür
gilt:
Zeile 3: 3 = 12 + 12 +12 Þ (hkl) = (111)
Zeile 4: 4 = 22 + 02 +02 Þ (hkl) = (200)
Zeile 5: 5 = 22 + 12 +02 Þ (hkl) = (210)
Tab. 1: Die ersten 3 Beugungslinien von FeS2 für Cu-Ka1-Strahlung
| 2Q |
sin2Q |
h |
k |
l |
| 28.513 |
0.0606455 |
1 |
1 |
1 |
| 33.084 |
0.0810644 |
2 |
0 |
0 |
| 37.107 |
0.1012449 |
2 |
1 |
0 |
Tab.2: Bestimmung der (hkl) aus den Winkeln von Tab. 1
| sin2Q (1) |
sin2Q (2) |
sin2Q (3) |
h |
k |
l |
|
| 1 |
0.06065 |
0.08106 |
0.10124 |
|||
| 2 |
0.03032 |
0.04053 |
0.05062 |
|||
| 3 |
0.02022 |
0.02702 |
0.03375 |
1 |
1 |
1 |
| 4 |
0.01516 |
0.02027 |
0.02531 |
2 |
0 |
0 |
| 5 |
0.01213 |
0.01621 |
0.02025 |
2 |
1 |
0 |
| 6 |
0.01011 |
0.01351 |
0.01687 |
|||
| 7 |
0.00866 |
0.01158 |
0.01446 |
|||
| 8 |
0.00758 |
0.01013 |
0.01266 |
Die Halbwertsbreite D(2Q) der Röntgenbeugungslinien beim Streuwinkel 2Q hängt außer von apparativen Parametern (z.B. Spaltbreiten, Wellenlängen-Unschärfe der Primärstrahlung) auch von der Korngröße der Kristallite der untersuchten Probe ab. Sie wächst mit abnehmender Korngröße, also mit abnehmender Zahl beteiligter Netzebenen. Bei der Herleitung der Laue-Gleichungen (3) erhält man für die gestreute Gesamtintensität an Ni Netzebenen Proportionalität zu
. (12)
Die Quotienten in (12) treten in gleicher Weise bei der Beugung an eindimensionalen Gittern mit N Spalten auf. Hier wie bei der Röntgenbeugung gibt es zwischen den Hauptmaxima (N – 2) Nebenmaxima, die bei hohem Wert von N verschwinden. Mit abnehmendem N werden die Haupt- und Nebenmaxima breiter, die Nebenmaxima nehmen zu und die Intensität der Hauptmaxima, die proportional zu N 2 ist, sinkt. Diesen Effekt kann man ausnutzen, um mit der Scherrer-Formel
(13)
aus der größenabhängigen Zunahme der Halbwertsbreite DH(2Q) der Beugungslinien den mittleren Korndurchmesser L der Probenkristallite in der Normalenrichtung senkrecht zur erfassten Netzebene abzu-schätzen. H(2Q) ist im Bogenmaß anzugeben. l ist die Wellenlänge und K eine dimensionslose Konstante, die für kubische Gitter 0.94 beträgt und je nach Kri-stallitgestalt zwischen 0.89 und 1.39 liegen kann.
Es ist zu beachten, dass DH(2Q) nur eine Halbwertsbreiten-Zunahme darstellt, jedoch nicht die tatsächliche aus der Messung resultierende Halbwertsbreite H(2Q). Diese beinhaltet neben DH(2Q) einen von der Apparatur abhängigen Anteil HApp(2Q). Beide Größen sind durch eine Faltung miteinander verknüpft. Je nach Apparaturgegebenheiten liegt DH(2Q) in einem Intervall, das sich ergibt aus den beiden Sonderfällen
H(2Q) = HApp(2Q) + DH(2Q) und H(2Q)2 = HApp(2Q)2 + DH(2Q)2. (14)
Da DH(2Q) bei großen Korndurchmessern verschwindet, lässt sich HApp(2Q) an entsprechenden Proben in Testmessungen bestimmen. Bei der Röntgenbeugungs-Anlage des Praktikumsversuchs variiert HApp(2Q) zwischen 0.046° und 0.100° im Bereich der Spaltkombinationen 0.1/.01/0.05 und 2/2/1. Für die Spalte 0.6/0.6/0.2 beträgt HApp(2Q) 0.058°. Die Scherrer-Formel wird benutzt für Korngrößen im Bereich zwichen ca. 10 – 100 nm. Sie liefert in der beschriebenen Anwendungsweise nur Näherungswerte wegen der Unsicherheit, welche der beiden Gleichungen in (14) gültig ist. Die Ergebnisse der beiden Näherungen werden für abnehmende Werte von L jedoch immer ähnlicher, weil dann DH(2Q) stärker gegenüber HApp(2Q) dominiert. Für L < 10 nm ist es allerdings schwierig, bei hinreichender Winkelauflösung noch ausreichende Linienintensitäten zu erhalten.
Die Messungen werden an einem Q/2Q-Diffraktometer in Bragg-Brentano-Geometrie durchgeführt. Anlagen-Steuerung, Erfassung und Auswertung der Messdaten erfolgen über PC-Programme. Es wird mit Cu-Ka-Strahlung gearbeitet. Ein Graphit-Sekundärmonochromator unterdrückt die Cu-Kb-Strahlung. Zum Strahlungsnachweis dient ein NaJ:Tl-Szintillator mit Photo-Sekundärelektronenvervielfacher (PSEV). Während der Messung dreht sich die Probe. Gleichzeitig wird der Detektor so mitgeführt, dass Einfalls- und Ausfallswinkel zur Realisierung der Bragg-Bedingung gleich sind. Für die Apertur-, Streustrahl- und Monochromatorblende stehen unterschiedlich breite Spalte zur Verfügung (Spaltbreitenangaben in Millimetern), mit denen ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen optimaler Winkelauflösung und ausreichender Beugungsintensität angestrebt wird.
Fig. 3:
Bragg-Brentano-Anordnung des Spektrometers
Sie führen Messungen durch an einer Goldprobe mit kubischem und einer Zinkprobe mit hexagonalem Gitter.
a) Gold:
1.
Nehmen Sie an einer Gold-Dünnschicht
mit dem Programm Immediate Measurement (adjust) ein Röntgenbeugung-Übersichtsspektrum
auf im Winkelbereich von 35 - 85 Grad
(Mode locked coupled, Spalte 2/2/1, Schrittweite 0.05, Messdauer ca. 30 min)
und drucken Sie dieses Spektrum mit dem Programm EVA aus.
Die Gitterstruktur von Gold ist kubisch. Bestimmen Sie für die 3 höchsten gemessenen
Beugungslinien die Millerschen Indizes und entscheiden Sie unter Berücksichtigung
des Strukturfaktors, ob das Gitter von Gold einfach kubisch (sc), kubisch flächenzentriert
(fcc) oder kubisch raumzentriert (bcc) ist. Geben Sie an und begründen Sie,
welche Reflexe bei (fcc) und (bcc) im Vergleich zu (sc) fehlen.
In Tab. 3 sind die relativen Beugungsintensitäten eines Pulverspektrums von
Gold angegeben. Der Vergleich mit Ihrem Messergebnis zeigt, in welchem Ausmaß
die Kristallite Ihrer Aufdampfschicht eine Vorzugsorientierung (Texturierung)
aufweisen.
2.
Nehmen Sie mit verbesserter Auflösung
ein weiteres Röntgenbeugungsspektrum auf im ausschließlichen Winkelbereich
der bei Aufgabe 1 gefundenen Hauptlinie
(Spalte 0.6/0.6/0.2, Schrittweite 0.002).
3.
Auswertung des Messergebnisses
von Aufgabe 2:
·
Wegen der geringen Dicke der
Goldschicht kann bei Aufgabe 2 nicht mit optimal dünnen Spalten gemessen werden.
Die hieraus resultierende Auflösungsbegrenzung verhindert eine Unterscheidung
der Beugungsreflexe für die Ka1- und Ka2-Strahlung. Mit dem Programm EVA lässt sich
aber eine Entfaltung vornehmen, die aus der Überlagerung der Linien von Ka1- und Ka2-Strahlung den Ka2-Anteil eliminiert. Subtrahieren Sie hierfür in EVA zunächst
den Untergrund (Backgnd) und führen Sie dann den Programmpunkt Strip
KA2 durch. Durch Append werden die neuen Kurven zusätzlich zu den
alten gezeichnet. Bestimmen Sie für die Winkelposition der Wellenlänge von Ka1-Strahlung die Halbwertsbreite und exakte Winkelposition
der Beugungslinie und berechnen Sie den Gitter-parameter von Gold.
·
Drucken Sie das gemessene Spektrum
der Aufgabe 2. mit dem Programm EVA aus, zusammen mit den Spektren aus
den Auswerte-Operationen von Aufgabe 3.
·
Berechnen Sie unter Verwendung
des ermittelten Gitterparameters die Dichte von Gold (Avogadrozahl = 6.023×1023 mol-1, relative Atommasse
von Gold = 196.9665 g/mol).
·
Zeichnen Sie die Anordnung der
Atome in der Netzebene, für die Sie bei Aufgabe 1 eine Vorzugsorientierung festgestellt
haben. Geben Sie in dieser Zeichnung die Atomabstände an, die sich aus dem
ermittelten Gitterparameter von Gold ergeben.
·
Berechnen Sie für den ermittelten
Gitterparameter die Winkellage des Reflexes für Ka2-Strahlung und zeichnen Sie diese zusätzlich zur Lage
der Ka1-Linie in das Beugungsspektrum von Aufgabe 2 ein. Geben
Sie die zu Ka1 und Ka2 gehörigen Energien in Elektronenvolt an.
· Bestimmen Sie aus der Halbwertsbreite der Ka1-Linie mit der Scherrer-Formel näherungsweise die Kristallitgröße in der Goldschicht.
4.
Berechnen Sie die Gittervektoren
des reziproken Gitters von Gold.
b) Zink
Nehmen Sie an einem Zinkblech mit dem Programm Immediate Measurement
(adjust) ein Röntgenbeugung-Übersichtsspektrum auf im Winkelbereich
von 30 - 85 Grad
(Mode locked coupled, Spalte 2/2/1, Schrittweite 0.05, Messdauer ca. 30 min).
Drucken Sie dieses Spektrum mit EVA aus und kennzeichnen Sie die einzelnen
Linien mit den zugehörigen Millerschen Indizes anhand der in Tab. 4 aufgelisteten
Reflexe einer Zn-Pulverprobe, und zwar sowohl mit der dreiachsigen als auch
der vierachsigen Notation. Sie werden feststellen, dass – wie bei der Goldprobe
– auch hier eine Vorzugsorientierung besteht.
1.
Führen Sie analog zur Vorgehensweise
bei Gold zwei weitere Messungen mit verbesserter Auflösung durch (Spalte 0.6/0.6/0.2,
Schrittweite 0.002) und berechnen Sie hieraus die beiden Gitterparameter a und
c von Zink. Für die exakte Winkelbestimmung wenden Sie erneut die Funktionen
Untergrund-Subtraktion und Ka2-Stripping von EVA an.
Berechnen Sie mit den ermittelten Gitterparametern die 2Q -Winkellage der Beugung an der
- Ebene und
vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrer Übersichtsmessung aus Aufgabe 1.
Berechnen Sie das Verhältnis c/a der hexagonal dichtesten Kugelpackung
und vergleichen Sie diesen Wert mit dem Verhältnis c/a Ihrer
Gitterparameter-Bestimmung von Zink.
2.
Zeichnen Sie in die beiden der
Anleitung beigefügten dreidimensionalen Darstellungen des hexagonalen Gitters
schraffiert die (102)- und die (112)-Ebene ein. Auf dem gleichen
Blatt befindet sich ein Sechseck, das die Grundfläche des hexagonalen Gitters
darstellen soll. Geben sie an den 6 Außenkanten in 3er- und 4er-Notation die
Bezeichnungen der Netzebenen an, die senkrecht auf diesen Kanten stehen. Markieren
Sie in allen 3 Darstellungen die a1-, a2-
und a3-Richtungen der 4er-Notation.
Hinweise:
Am Messrechner des Röntgenspektrometers können Auswertungen durchgeführt werden, während im Hintergrund Messungen laufen.
Es ist die Praktikums-Kurzanleitung für die Durchführung von Beugungs-Messungen mit dem Röntgenspektrometer zu beachten.
Die Röntgenröhre wird vom Betreuer in Betrieb genommen und nach dem Versuch ausgeschaltet. Sie darf nicht mit mehr als 20 mA, 40 kV betrieben werden!
D. Daten
Wellenlängen:
:
0.1540598 nm
:
0.1544426 nm
: 0.1541874
nm
Tab. 3: Röntgenbeugungslinien von Gold-Pulver
| 2q |
Normierte Intensität |
| 38.184 |
100 |
| 44.392 |
52 |
| 64.576 |
32 |
| 77.547 |
36 |
| 81.721 |
12 |
| 98.133 |
6 |
| 110.798 |
23 |
| 115.259 |
22 |
| 135.416 |
23 |
Tab. 4: Röntgenbeugungslinien von Zink-Pulver
| 2q |
Normierte Intensität |
h |
k |
l |
| 36.295 |
53 |
0 |
0 |
2 |
| 38.991 |
40 |
1 |
0 |
0 |
| 43.230 |
100 |
1 |
0 |
1 |
| 54.333 |
28 |
1 |
0 |
2 |
| 70.053 |
25 |
1 |
0 |
3 |
| 70.657 |
21 |
1 |
1 |
0 |
| 77.024 |
2 |
0 |
0 |
4 |
| 82.098 |
23 |
1 |
1 |
2 |
| 83.761 |
5 |
2 |
0 |
0 |
E. Literatur
· Ch. Kittel, Einführung in die Festkörperphysik, Oldenbourg-Verlag
· Ch. Weissmantel, C. Hamann, Grundlagen der Festkörperphysik, Johann Ambrosius Barth Verlag
· H. Krischner, B. Koppelhuber-Bitschnau, Röntgenstrukturanalyse und Rietveldmethode, Vieweg
· B.E. Warren, X-Ray Diffraction, Addison-Wesley
· M. Böhm, A. Scharmann, Höhere Experimentalphysik, VCH Weinheim
· R.L. Snyder, X-Ray Diffraction, In: Materials Science and Technology, Vol. 2A, Characterization of Materials, Part I, VCH Weinheim
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